Die Gründungsphase der
B! Rheno Alemannia

Geschriebn von Bbr. Wolff

Im Jahre 1966 wurde in Konstanz in der Amtszeit von Ministerpräsident Kiesinger eine neue Universität gegründet. Ein Universitätsgebäude gab es noch nicht, die ersten Vorlesungen fanden deswegen im altehrwürdigen Inselhotel statt. Gründungsrektor war der Politologe Waldemar Besson. Vorgesehen waren eine juristische, eine philosophische und eine naturwissenschaftliche Fakultät. Die Medizin sollte sich an der gleichzeitig gegründeten Universität Ulm etablieren.

Mit der Gründung der Universität begannen in der Vereinigung Alter Burschenschafter Konstanz, kurz VAB, Überlegungen, ob es möglich wäre, an der neuen Universität eine Burschenschaft ins Leben zu rufen. Dabei war zunächst offen, ob eine wirkliche Neugründung machbar wäre, oder ob man eventuell eine vertagte Burschenschaft für das Projekt gewinnen könnte. Eines war jedoch klar, so oder so, man wollte alles was möglich war tun, um eine Burschenschaft an der Uni anzusiedeln.

Und so entstand in der VAB Konstanz der Plan, zur Vorbereitung der Begründung einer Burschenschaft, zunächst einen Verein zu gründen, den Burschenhausverein Konstanz, der als Vereinsziel neben allgemeinbildenden Veranstaltungen für Studierende auch die Schaffung von Wohnraum für Studenten hatte und aufgrund dieser Ziele als gemeinnützig anerkannt werden konnte.

Mitglieder dieses Vereins wurden zahlreiche Mitglieder der VAB Konstanz, insbesondere der damalige VAB Vorsitzende Arthur Himmelsbach war sehr engagiert, aber auch viele Burschenschafter aus dem gesamten süddeutschen Raum und auch Mitglieder anderer Verbände und sogar einige Nichtkorporierte traten dem Verein bei. Im Laufe der Jahre konnte der Verein durch die Vereinsbeiträge ein ordentliches Kapital ansammeln. Jedoch bis zum Jahr 1979 ergab sich keine konkrete Möglichkeit, den Vereinszweck umzusetzen.

 

Erst 1979 entwickelte sich dann bei der VAB eine besonders glückliche Situation dergestalt, dass sich drei VAB Mitglieder, zwei junge Professoren der Universität und ein ebenfalls junger Arzt zu einer Art Sonderstammtisch zusammenfanden, um dort konkret über die Möglichkeiten der Gründung einer Burschenschaft zu beraten. Dieser Stammtisch fand im Gasthaus Tannenhof statt, dem heutigen Corpshaus des Corps Saxonia.

Die Mitglieder dieses Sonderstammtisches waren die Professoren Rudolf Fritsch (Mathematiker) MB! Arminia Rhenania München und B! Ghibellinia Saarbrücken, Jürgen Damrau (Jurist) B! Germania Halle zu Mainz und B! Germania Marburg, Helmut Wolff (Arzt) B! Teutonia Freiburg. Diese drei sollten also zu den Gründern der Rheno-Alemannia werden. Ein glücklicher Umstand war, dass Jürgen Damrau es schaffte, einen guten persönlichen Kontakt zu seinen jungen Studenten herzustellen und diese zu den besagten Stammtischen einzuladen. Eine Anzahl dieser jungen Studenten folgten dann gerne den Einladungen und zeigten alsbald auch Interesse am Korporationsstudententum und insbesondere am burschenschaftlichen Gedankengut, so dass gar nicht lange danach die Begründung einer Burschenschaft ins Auge gefasst werden konnte. Es war klar, die Gunst dieses Augenblicks musste unbedingt genutzt werden. Die Begeisterung in der VAB, aber auch in den benachbarten Vereinigungen der Waffenstudenten war groß, es herrschte eine allgemeine Aufbruchstimmung.

 

Ein Termin für eine Gründungsveranstaltung war schnell gefunden und so fand am 19. Juni 1979 im Nebenzimmer des Restaurants Dischinger eine feierliche und von großer Begeisterung geprägte Gründungskneipe statt. Bei den letzten vorausgegangenen Stammtischen hatte man sich auf den Namen Rheno-Alemannia geeinigt um mit diesem Namen sowohl den Bezug zum Rhein als auch zur landsmannschaftlichen Zugehörigkeit zu unterstreichen. Die Wahl der Farben war klar, als erste Burschenschaft an der Universität Konstanz standen der Rheno-Alemannia die Farben schwarz rot gold zu und ein Telefonat nach Freiburg genügte um von Burschenschaft Teutonia 7 Bänder zugeschickt zu bekommen. So sind also unsere Farben absolut identisch mit den Farben der Freiburger Teutonen. Das schwarze Hinterhauptcouleur kam etwas später aus Marburg.

 

Mit der Verleihung der Bänder war also der große Schritt getan und die Rheno-Alemannia war die erste aus dem Stand gegründete Burschenschaft im Nachkriegsdeutschland. Die ersten Alten Herren waren Bbr. Damrau, Bbr. Fritsch und Bbr. Wolf. In der folgenden Zeit traten etliche Mitglieder der VAB Konstanz, aber auch andere Burschenschafter aus ganz Deutschland dem sofort gegründeten Altherrenverband bei, so dass sich der junge Bund mit einer stattlichen Aktivitas und einer Altherrenschaft von etwa 25 Alten Herren präsentieren konnte.

 

Erste Fuchsenstunden fanden umgehend statt. Die Bbr.Bbr. Damrau und Fritsch hielten diese im Wartezimmer der Praxis von Bbr. Wolff ab. Das war für die Älteren insofern interessant und ungewohnt, als bei keinem der jungen Bundesbrüder eine Vorstellung vom Wesen einer Korporation vorhanden war und verständlicherweise auch keine älteren Aktiven oder Inaktiven. Da gab es natürlich viel an Wissen und Erfahrungen zu vermitteln und es brauchte doch einige Zeit, bis sich in der Aktivitas ein korporatives und burschenschaftliches Bewusstsein entwickelte. Allererste Paukstunden mit einer bescheidenen Ausrüstung fanden im Keller der Praxis von Bbr. Wolff statt. Nun musste natürlich auch noch nach einer Bleibe, einer Konstante gesucht werden, wo die jungen und die alten Bundesbrüder sich treffen konnten. Diese Konstante fand sich auch, und zwar in einem Dachbodenraum des ehemaligen Domhotels Sankt Johann in der Konstanzer Niederburg. Hier fanden nun die regelmäßigen Treffen, teils als Fuchsenstunde, teils als gemütliche Hocks statt, an denen auch  Alte Herren gerne teilnahmen.

 

Weitere interessierte Studenten konnten in der Folge gewonnen werden, so dass schon im November 1979 ein feierlicher Gründungskommers im großen Konzilsaal stattfinden konnte. Die Beteiligung von Burschenschaftern, anderen Waffenstudenten und Gästen aus dem gesamten süddeutschen Raum war überwältigend. Der erste Sprecher der jungen Burschenschaft, gut eingewiesen von Alten Herren, leitete den Kommers ganz ausgezeichnet. Die Aktiven  hatten ja noch nie zuvor etwas Vergleichbares erlebt. Die Festrede hielt der damalige Generalbundesanwalt Rebmann (B! Normannia Tübingen). Das Ereignis dieser Neugründung und der Auftritt eines so prominenten Festredners hatte ein großes Echo in den Medien und weit über Konstanz hinaus. Alle Teilnehmer aus nah und fern waren erfüllt von dem Erlebnis. Etwas Besonderes hatte sich ereignet, ein neues Kapitel in der Geschichte der burschenschaftlichen Bewegung wurde aufgeschlagen.